Warum hast du dir einen Hund gekauft? Mach die Augen zu und nenn fünf Gründe, warum du einen Hund hast.

Zuerst natürlich zur Verbesserung der Lebensqualität. Ich kenne keinen Menschen, der sich einen Hund zulegt und sagt: „Wir haben keinen Stress, unser Haus ist sauber und wir haben intakte Möbel, lass uns doch einen Hund kaufen, um das zu ändern.“ Nein, wenn ich so nachdenke, macht das niemand.

Die Menschen haben eine gewisse Vorstellung von ihrem Leben mit einem Tier, wenn sie sich einen Hund kaufen. Sie denken zum Beispiel an einen Kumpel, der sie durchs Leben begleitet, der immer da ist, auch wenn’s mal nicht so läuft oder eben schon, man möchte alle Momente mit ihm teilen oder will zumindest, dass er dabei ist. Auch will man, dass der Vierbeiner ein glückliches Leben hat. Eben, wie schon erwähnt, eine Verbesserung der Lebensqualität, für beide halt. Das Lustige dabei ist: Auch für deinen Hund ist es das Allergrößte, mit dir unterwegs zu sein, am liebsten immer dabei zu sein. Sehr oft fragen mich die Leute „Flo, wie kann ich meinen Hund am besten beschäftigen?“ Meine Antwort ist oft: „Nimm ihn einfach mit dir mit, das ist das Beste.“

Aber genau da „liegt der Hund begraben“. Um einen Hund in den Alltag zu integrieren, muss er – nicht sollte er – gehorsam sein. Einen braven Hund haben fünfundneunzig Prozent aller Hundebesitzer. Das heißt in der heutigen Zeit: Er beißt nicht und zerstört mir nicht die Couch. Aber das war es dann auch. Aber wirklich etwas zu verlangen, wenn der Hund lieber etwas anderes täte, traut sich niemand mehr bzw. weiß keiner mehr, wie das geht, wenn die Motivation den Hund verlässt und er einfach Dinge machen MUSS, auch wenn er mal nicht will.

Also brauchen wir einen GEHORSAMEN Hund. Das ist aber im Grunde nicht schwer, ja der Hund muss nicht einmal viel können. Eine Hundebegegnung, ohne dass er auf den fremden Hund reagiert, ist schon mal ein Muss. Dann kommt noch hinzu, dass er sich ins Platz legen oder sich bei einem Kommando hinsetzen muss, dass er bei lockerer Leine durch die Stadt gehen und seine Umwelt aufnehmen, aber nicht drauf reagieren darf. Also eher einfach. Ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass der Hund für achtzig Prozent der Hundebesitzer eine Belastung ist, dass die das aber gar nicht bemerken.

Es beginnt damit, dass die Leute Hunden aus dem Weg gehen, ja, es geht sogar so weit, dass Menschen zu den unmöglichsten Zeiten spazieren gehen, um so wenig Menschen und Hunden zu begegnen. Dies alles bedeutet Stress für den Besitzer, wenn dessen Hund bei normalen Dingen völlig ausrastet. Selbst wenn die Menschen mit ihrem Vierbeiner ohne Ablenkung unterwegs sind, zerrt sie das Vieh oft quer durch den Park ohne Rücksicht auf Verluste. Doch das Komische dabei ist, dass dies alles für viele Menschen zum Normalzustand geworden ist. Sie bemerken nicht, wie schlecht ihr Vierbeiner gehorcht. Weil sie auch nicht wissen, wie entspannt es sein kann, wenn der Hund funktioniert … ja, ich habe funktioniert geschrieben, weil ich es auch so meine. Ich möchte keinen braven Hund, ich brauche einen, der FUNKTIONIERT. Denn nur so hat der Hund keine Verantwortung und kann sein Leben stressfrei leben. Wenn ich als Besitzer mit meinem Hund abstimme, was er tun will, wird er Stress haben und auch in Situationen entscheiden, in denen er nicht „gefragt“ wird. Zum Beispiel bei einer Hundebegegnung oder wenn er nicht auf Ruf herkommt, weil jeder Grashalm interessanter ist als sein Mensch.

Also die Essenz des Ganzen ist die: Wenn du einen Hund gut erziehst, so dass du ihn immer mitnehmen kannst, auch in ein Restaurant, wo er sich einfach hinlegt und mal nichts macht, auch keinen Kauknochen bekommt, damit er nicht lästig ist, also praktisch immer dabei ist, ohne dass er dich negativ beeinflusst. Dann nimmst du ihn auch oft mit, und je öfter er dabei ist, umso besser wird er gehorchen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz, aber eben im positiven Sinne. Also, viel Spaß mit deinem Hund, und möge er eine ECHTE Bereicherung für dich sein!

Ein Beitrag von Florian Günther

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